70 Jahre Planen im Bauwesen
vom Ingenieurbüro Regierungsbaumeister Karl Rieger
zur Rieger + Brandt Planungsgesellschaft im Bauwesen mbH

Gründer

Karl Rieger, geboren 06.10.1901 in Nürnberg, Studium an der Technischen Hochschule Stuttgart, Schüler des damaligen "Papstes des Eisenbetonbaus" und Vater der DIN 1045, Prof. Dr. E. Mörsch. Nach dem Abschluss als Diplom-Ingenieur 1923 war er kürzere Zeit bei der Baufirma Georg Bieber in Nürnberg tätig und im Anschluss daran bei der Neckarbaudirektion in Stuttgart, wo er als Bauleiter beim Ausbau des Neckars zum Schifffahrtsweg mitarbeitete. Da er jedoch als Tragwerksplaner tätig sein wollte und dort keine entsprechende Stelle frei war, wechselte er 1928 zur Baufirma Niethardt in Beuthen/Oberschlesien. 1929 legte er dann sein Regierungsbaumeisterexamen ab.
Zu dieser Zeit dominierte in der Schwerindustrie und im Ingenieurbau noch die Stahlkonstruktion. Aufgrund seiner neuesten Erkenntnisse im Eisenbetonbau war es ihm möglich, für seine Firma durch die Ausarbeitung von Sondervorschlägen Wettbewerbsvorteile zu schaffen.
Gründung

Vom Niedergang der Wirtschaft in Deutschland war auch die Fa. Niethardt nicht verschont geblieben, und so war es nur eine Frage der Zeit, wann es zu Entlassungen kommen würde. 1932 trennte sich Herr Rieger von seinem Arbeitgeber und erhielt als Abfindung den Auftrag für die statisch-konstruktive Bearbeitung der Erweiterung der Frauenklinik Gleiwitz. Wie er oft berichtete, war es sein großes Glück, dass sich noch im gleichen Jahr und nicht erst nach der Machtübernahme durch Hitler die wirtschaftliche Lage spürbar erholte. So konnte er sich 1933 bereits zwei Angestellte leisten. Dies war die Geburtsstunde des Ingenieurbüros Regierungsbaumeister Karl Rieger.


Werdegang des Büros

Als überzeugten Franken zog es ihn wieder nach Nürnberg, und als er erfahren hatte, dass dort ein Kollege von ihm verstorben war, sah er für sich hier eine Zukunft - trotz guter Auftragslage in Beuthen. Von Nürnberg aus wickelte er noch längere Zeit Aufträge in Oberschlesien ab.
Auftraggeber waren zu dieser Zeit fast ausschließlich Baufirmen. Nach den Aufzeichnungen des Büros war der erste Auftraggeber in Nürnberg die Fa. August Meyer, die ihm die Tragwerksplanung und Massenberechnung für einen Empfangsgüterschuppen der Reichsbahndirektion Nürnberg übertrug und mit der die Zusammenarbeit bis zu deren Auflösung in den 60er Jahren bestand.

Weitere Firmen kamen sehr bald hinzu: Fa. Konrad Winkler - Herr Winkler war es vor allem, der ihn in seiner Entscheidung, nach Nürnberg zu kommen, bestärkt hatte; Hans Rödl, Georg Bieber, Völkl und Heidingsfelder, Hannewald (heute Tauberbau), Heilmann und Littmann, Hummel und Baumann, Hannweg und Söhne, um nur die ersten zu nennen. Langsam kamen auch das engere und weitere Umland dazu: Mauss - Erlangen, Ebert - Bamberg, Backer - Kulmbach, Glöckle - Schweinfurt, Brockhartd - Coburg, Nützel - Bayreuth, Schrenk - Hof, Weiß - Burglengenfeld, Riepel - Regensburg, Naumann und Fischer - Sonneberg.
Waren es anfangs noch vorwiegend zivile Bauten wie Industrieanlagen, Büro- und Verwaltungsgebäude, Kläranlagen, Wasserbehälter sowie Straßen- und Autobahnbrücken, so mehrten sich bald Bauten des Heeres wie Kraftfahrzeug-, Werkstatt- und Geschützhallen, Schießanlagen, sogenannte Stabs-, Mannschafts-, Wirtschafts- und Wohlfahrtshäuser, Lazarette und Flugplatzanlagen.

Allmählich erhielt das Büro auch Aufträge von Bauherren wie: Triumph-Werke, Reichsbahn und Post, die Städte Nürnberg, Hof und Coburg, Straßen- und Flussbauamt Nürnberg und Kronach, Landbauamt Hof und Nürnberg.

Der erste große Auftrag der Stadt Nürnberg ist im Jahre 1938 verzeichnet. Es war die Ausführungsplanung und Bauleitung für die "Unterpflasterbahn in Nürnberg" (unterirdische Verlegung der Straßenbahn in der Allersberger- und Frankenstraße).

Die ersten Architekten waren Baumgärtel (ein Schulfreund) und Staudinger sowie Architekt Weiß.

Unterpflasterbahn in Nürnberg zwischen
Allersberger- und Frankenstraße
1938 hatte das Büro 17 Mitarbeiter. Zum Ende des Jahres wurden die ersten zum Militär dienstverpflichtet. Mitte 1939 wurden weitere zur Wehrmacht einberufen, drei zusammen mit Herrn Rieger selbst, wenige Tage vor Kriegsbeginn.

Nach Beendigung des Polenfeldzuges wurde Herr Rieger wieder aus dem Militär entlassen. In der weiteren Zeit waren es vor allem Militär- und zivile Schutzprojekte sowie Bauten der Schwerindustrie, mit denen das Büro beauftragt wurde.

Erzsinteranlage Amberg, 1940
1942 erhielt Herr Rieger die Zulassung als Prüfingenieur für Massivbau.

Mit der Zunahme der Bombenangriffe mehrten sich die Fälle, dass durch Bomben beschädigte oder zerstörte Häuser und Industrieanlagen wieder instand zu setzen waren. Bei Bombenangriffen hatte sich Herr Rieger sofort nach Ertönen des Vorentwarnungssignals mit dem Rad auf den Weg zum Polizeipräsidium zu machen, um zur Überwachung der Sicherheit für die Einsatzkräfte bei der Rettung von Verschütteten eingeteilt zu werden. Beim Angriff am 2. Januar 1945 kam er erst nach 10 Tagen wieder nach Hause.

Der letzte Auftrag vor Kriegsende mit Datum 24. März 1945 war von der Reichsbahndirektion Nürnberg: Bauvorhaben "Bunker Reichsbahndirektion Schweinfurt".

Acht der eingezogenen Mitarbeiter kamen nicht mehr aus dem Krieg zurück. Das Büro war auf fünf Mitarbeiter zusammengeschrumpft.

Neuanfang nach Kriegsende

Der erste Auftrag nach Kriegsende datiert vom 1. Juni 1945. Es war der Wiederaufbau einer Scheune des Bauern Schopf in Gattenhofen bei Rothenburg ob der Tauber. Das Büro hatte zu dieser Zeit noch zwei Mitarbeiter. Dann folgten schon bald die Bearbeitung von Not- und neuen Dächern zum Schutz des Restbestandes, die Reparatur von Decken bei Wohn- und Verwaltungsgebäuden, die Sanierung und Neuerstellung von Produktionshallen sowie die Wiederherstellung von Brücken. Zur Jahreswende 1945/46 begannen die ersten Baumaßnahmen der US Army und die ersten Brückenneubauten.

In auftragsschwachen Zeiten, die es wegen Materialmangels (Zement und Stahl gab es auf Gutschein) dennoch gab, wurden intern Entwicklungsarbeiten durchgeführt, die dem Büro Erleichterungen und wirtschaftliche Vorteile brachten, z. B.

  • Untersuchungen über die wirtschaftlichsten Deckenhöhen bei Stahlbetonhohlkörperdecken
  • Untersuchungen über die lastverteilende Wirkung von Querrippen bei Hohlkörperdecken
  • Hilfstabellen zur Erleichterung der Berechnung von Durchlaufträgern (mit und ohne Vouten)

Dies war auch die Geburtsstunde für die Entwicklung und spätere Patentierung einer selbsttragenden, wiederverwendbaren Stahlblech-Rippendeckenschalung. Diese „Rieger-Decken“ sind in vielen Gebäuden Nürnbergs der 50er und 60er Jahre, aber auch im ganzen Bundesgebiet und sogar in den Emiraten zu finden.

Gleichzeitig fand Herr Rieger auch noch Zeit, sich berufspolitisch zu engagieren. So hat er den Architekten- und Ingenieurverein sowie die Landesgruppe Franken des Vereins Beratender Ingenieure wieder ins Leben gerufen, deren Vorsitzender er über 10 Jahre war.

Am Ohm-Polytechnikum Nürnberg waren erfahrene Ingenieure gefragt, die keine Parteimitglieder waren. So stellte sich Herr Rieger zur Verfügung und gab Vorlesungen in Statik und den Fächern des konstruktiven Ingenieurbaus. Viele Jungingenieure der ersten Stunde sind dadurch von ihm geprägt worden. Nach einigen Jahren gab er seine Dozententätigkeit wegen der wachsenden Anzahl von Aufträgen jedoch wieder auf.

1947 kamen die ersten Neubauten. Durch Herrn Architekt Kappler erhielt er den Auftrag für die Errichtung der Möbelwerke Gruko. Dann folgt der Wiederaufbau von Woolworth in der Königstraße, der Cameliawerke in Heroldsberg, der Nürnberger Schraubenfabrik in der Kanalstraße, um nur einige zu nennen.

Aufgrund der schlechten Versorgungslage hat man sich entschlossen, Essen von der Nürnberger Nothilfe liefern zu lassen. Nachdem sich auch die Nachbarn dem anschlossen, wurde das Büro auch zu einer Essenausgabestelle.

Die Mitarbeiter tanken nach
dem mageren Mittagessen auf
der Terasse ihre Energie von
der Sonne

Der Wiederaufbau der Sebalduskirche stand jetzt an, dessen Bearbeitungshonorar Herr Rieger am Ende stiftete.


1948 kam die Währungsreform. Da dem Büro für jeden Mitarbeiter nur 60,-- DM zur Verfügung standen, war das Geld knapp. Jeder Zahlungseingang wurde je nach Bedürftigkeit an die Angestellten verteilt. Da der Kreditrahmen der Bank 3.000,-- DM betrug, wurden auch Sparkonten der Kinder abgeräumt.

Doch schneller als erwartet, ging es aufwärts. Größere Aufträge kamen, wie z. B. die Ostermeyer-Passage, die Vereinsbank, das Haus der Mode, die Triumph-Werke.

1948 wird der erste Firmenwagen, ein DKW, Baujahr 1938, gekauft. 1950 gibt es die ersten Anzeichen des Wirtschaftswunders. Bayerische Staatsbank, Wiederaufbau Weinstadl und Heiliggeistspital, Atlantik-Kino, Universa-Versicherung, Schuko-Spielzeugfabrik (heute DATEV), Kunstakademie am Tiergarten, Staatsbank Erlangen, Hochwasser-Entlastungstunnel zwischen Museums- und Fleischbrücke, Verbreiterung der Museumsbrücke, Städtische Werke am Plärrer - Flachbauten, AEG Nürnberg und später Rothenburg, Autohaus Kraus in St. Peter, Tribüne Fußballstadion Fürth.

Bayerische Vereinsbank

Hochwasserstollen zwischen
Museums- und Fleischbrücke

Germanisches Nationalmuseum,
Theodor-Heuss-Bau

Die Beauftragung durch den Bauherrn und die enge Zusammenarbeit mit den Architekten und den planenden Bauämtern ist zur Regel geworden. Die Architekten Kappler, Schlegtendal, Fritz Mayer, Fink, Dr. Seegy, Hans Anton Meyer und Sep Ruf waren Partner des Anfangs. Hinzu kamen unter anderen die Architekten Hermann und Gerhard Scherzer, Reubel und Grün, Loebermann, Walter Mayer sowie die Landbauämter Nürnberg, Ansbach, Bayreuth, Bamberg, die Universitätsbauämter Erlangen und Würzburg, die Städte Nürnberg, Würzburg, Hof und Sulzbach-Rosenberg, die Nürnberger Aufbaugesellschaft und die Wohnungsbaugesellschaft der Stadt Nürnberg, um nur einige zu nennen.

Mit der Zeit wurden die Büroräume im Haus von Herrn Rieger in Erlenstegen zu klein, so dass einige Mitarbeiter in Zweigbüros in der Innenstadt umziehen mussten. Für sie war dann leider das gemütliche gemeinsame Mittagessen auf der Terrasse nicht mehr möglich.

1952 erhält das Büro seinen bis dahin größten Auftrag, den Neubau der Maizenawerke in Krefeld.


Es folgten der Rathausneubau am Hauptmarkt, der Wiederaufbau des alten Rathauses und der neue Flughafen.

1955 begann eine lange Zusammenarbeit mit der Firma Siemens (später KWU). Für das Heizkraftwerk Badalona I bei Barcelona erhielt das Büro den Auftrag über die bautechnische Prüfung. Da Siemens mit den gelieferten Unterlagen des dort ansässigen Tragwerksplaners unzufrieden war, wird die Prüfung abgebrochen und dem Büro die Ausführungsplanung (ohne Prüfung) übertragen. Aufgrund der guten Zusammenarbeit folgten Badalona II sowie weitere Kraftwerke und Industrieanlagen in Spanien, Indien und Chile sowie eine Vielzahl von Turbinenfundamenten im In- und Ausland.

Zum 25-jährigen Jubiläum hatte das Büro 50 Mitarbeiter und zog in sein heutiges Domizil am Neutorgraben um.

Da Bayern als einziges Bundesland keine Prüfingenieure für Baustatik zuließ, war Herr Rieger, dessen Zulassung als Prüfingenieur von 1942 von der Obersten Baubehörde 1949 bestätigt worden war, zwischenzeitlich der einzige Prüfingenieur in Bayern. Die Prüfungen wurden sonst nur von Prüfämtern der Städte und der Bayerischen Landesgewerbeanstalt mit langen Wartezeiten durchgeführt. Er sah daher eine seiner wichtigsten Aufgaben darin, den damaligen Leiter der Obersten Baubehörde, Herrn Ministerialrat Wambsganz, von der Notwendigkeit, Prüfingenieure zuzulassen, zu überzeugen. Hierzu wurde 1961 vom Verband Beratender Ingenieure unter seiner Federführung eine Denkschrift verfasst, die der Obersten Baubehörde im Mai 1961 übergeben wurde. Nach dem Ausscheiden von Herrn Wambsganz wird 1963 die Zulassung von Prüfingenieuren in Bayern eingeführt. Herr Rieger wurde der erste Vorsitzende der Vereinigung der Prüfingenieure in Bayern.

Im gleichen Jahr nahm Herr Karl Rieger seinen Schwiegersohn, Herrn Dipl.-Ing. Siegfried Rothgang, als Partner in sein Büro auf. In diese Zeit fiel unter anderem der Neubau der Meistersingerhalle sowie der Oberpostdirektion am Rathausplatz, verschiedene Bauten am Ohm-Polytechnikum sowie mehrere Brücken über den Main-Donau-Kanal, bei denen das Büro die Brückenentwürfe und die Kalkulationsgrundlagen für die Fa. Hans Rödl erstellte.

Baustelle Meistersingerhalle

Baustelle Oberpostdirektion,
Rathenauplatz


Am 3. Februar 1967 starb Herr Regierungsbaumeister Karl Rieger. Sein Sohn, Dipl.-Ing. Atte Rieger, der seit 1964 Mitarbeiter des Ingenieurbüros war, trat an seine Stelle.

Neben dem konstruktiven Ingenieurbau bemühte er sich seit dem Eintritt in das Ingenieurbüro, die Verkehrsplanung als einen weiteren Schwerpunkt aufzubauen. Eine der ersten Aufgaben war dabei die Verkehrsuntersuchung und die Erarbeitung eines neuen Verkehrskonzeptes für die Stadt Hersbruck. Ihm folgten Aufträge des Straßenbauamtes Nürnberg, und zwar die Voruntersuchung des Ausbaus B 14 von Nürnberg bis Hartmannshof und die Umgehung Ellingen - Weißenburg im Zuge der B 2 und B 13 sowie die Ausführungsplanung des Teilstückes der B 14 von Altensittenbach bis Pommelsbrunn und die Teilumgehung von Ellingen.

Auf Empfehlung von Herrn Baudirektor Karl Schaller, dem Leiter des Tiefbauamtes Nürnberg, kam es zu einer intensiven, etwa 20-jährigen Zusammenarbeit mit der Stadt Würzburg, für die das Büro Rieger – Rothgang und später Rieger nahezu den gesamten Mittleren Ring sowie die Erschließung des neuen Universitätsgeländes einschließlich aller notwendigen Bauwerke plante und die Ausschreibungen erstellte.
Würzburg Mittlerer Ring
Brücke am Hauptbahnhof Würzburg Greinbergknoten Würzburg

Zum Ende des Jahres 1972 trennten sich Herr Rothgang und Herr Rieger und führten ihre Tätigkeit in getrennten Büros weiter.

Neuanfang

Die Trennung fiel in eine Zeit der Rezession und aus dem Auftragsbestand des alten Büros konnte im Wesentlichen nur ein größerer Auftrag mitgenommen werden. Es war die Tragwerksplanung des Kurzentrums Bad Bocklet. Der Auftraggeber, ein Generalübernehmer, kommt gegen Ende der Rohbauarbeiten in Zahlungsschwierigkeiten, wodurch er dem Büro einen nicht unerheblichen Teil des Honorars schuldig blieb.

Da war es gut, dass Herr Rieger wenige Tage vor der Trennung die Zulassung als Prüfingenieur erhalten hatte. Die langsam anlaufende Prüftätigkeit ergänzte die spärlichen Aufträge, und so war es möglich, die im Büro verbliebenen zwanzig Mitarbeiter zu halten.

Glücklicherweise erhielt das Büro den Auftrag zur Tragwerksplanung für das Kraftwerk Badalona III direkt vom Kraftwerksbetreiber. Mit diesem Grundstock an Arbeit konnte sich das Büro konsolidieren.


Kraftwerk:
Badalona II (2 Kesseltürme links)
Badalona III (1 Kesselturm rechts)


Am 01.01.1977 wurden die Mitarbeiter Dr.-Ing. Bernd Brandt und Dipl.-Ing. Manfred Wendrich Mitgesellschafter des Ingenieurbüros "Rieger Beratende Ingenieure". Ein halbes Jahr später folgte dann die Gründung der "Rieger Gesellschaft Beratender Ingenieure mbH", aus der Herr Wendrich, der sich vor allem mit der Entwicklung von Rechenprogrammen befasste, im Juli 1989 ausschied.

Mit der Beauftragung der Tragwerksplanung für das Kraftwerk Cadafe in Venezuela durch die Firma KWU wurde die Zusammenarbeit mit einem alten Auftraggeber wieder aktiviert. Herr Dr. Brandt leitete dieses äußerst anspruchsvolle Projekt, das seinen Standort in einem starken Erdbebengebiet hat, bei dem gleichermaßen deutsche, amerikanische und venezuelanische Normen einzuhalten waren und der Prüfer ein englischer Consulter war mit hoher Kompetenz und Anerkennung.

Herr Dr. Brandt ist von diesem Zeitpunkt an der Ansprechpartner für die KWU.

Aufgrund des ihm entgegengebrachten Vertrauens erhielt das Büro die Aufträge für die Turbinentische im KKW Brokdorf mit 1.300 MW, damals größte Turbine, und KKW Isfahan 1 + 2 sowie anschließend die Simulation und rechnerischen Untersuchungen über die Beanspruchung und Sicherheit der Schutzhüllen eines Atomreaktors und seiner nuklear belasteten Nebengebäude beim Absturz eines Jumbo-Jets und eines Starfighters.

1990 wurde Herr Dr. Brandt, der zwischenzeitlich auch als Prüfingenieur zugelassen war, gleichgestellter Partner neben Herrn Rieger, und das Büro erhielt den Namen "Rieger + Brandt Planungsgesellschaft im Bauwesen mbH".
Wichtige Projekte dieser Zeit waren das Klinikum Nürnberg-Süd, das unter Federführung dieses Büros von einer Ingenieurgemeinschaft mit 4 weiteren Nürnberger Büros bearbeitet wurde, die Erweiterung und der Umbau des Theresien-Krankenhauses (beide Entwurf Arch. Dr. Walter Mayer u. Prof. Hans-Peter Haid)


sowie eine Reihe von Neubauten, Aufstockungen und Modernisierungen von Messehallen, Service Bereichen und Büros der Nürnberg Messe (Entwurf Architekt Heinz Seipel) einschließlich Entwurf, Ausschreibung und Bauleitung für die Neuordnung der zugehörigen Verkehrsanlagen

Durch die gute Zusammenarbeit mit den Straßenbauämtern Ansbach, Nürnberg und Torgau sowie der Autobahndirektion Nordbayern wurde die Brücken- und Ingenieurbauplanung wieder intensiviert, so dass auch die Straßenbauämter Bamberg, Regensburg, Schweinfurt und Weiden hinzukamen.


Zu nennen ist hier vor allem der Entwurf und die spätere bautechnische Prüfung der Brücke bei Trockau im Zuge der A 9.

Weiterhin beteiligte sich das Büro an Brückenwettbewerben und arbeitete mit Architekten bei Stadtplanungswettbewerben zusammen.


1. Preis Bahnhofsplatz in Fürth
In den letzten 30 Jahren haben wir kontinuierlich daran gearbeitet, die Kompetenz des Büros zu festigen und das Spektrum zu erweitern, um den sich abzeichnenden geänderten Anforderungen an ein Planungsbüro gerecht zu werden. So konnte die Anzahl der Mitarbeiter kontinuierlich von 20 im Jahre 1972 auf heute 40 anwachsen.

Seit November 1999 wird jährlich der Karl-Rieger-Preis im Fachbereich Bauingenieurwesen an der Georg-Simon-Ohm-Fachhochschule Nürnberg für die herausragendste Diplomarbeit des Jahres vergeben. Dieser ist mit 1.600,--€ dotiert. Die Präambel des Karl-Rieger-Preises lautet: "In Erkenntnis der allgemeinen volkswirtschaftlichen Notwendigkeit, Wissenschaft und Forschung in der Bundesrepublik Deutschland zu fördern und innovative Leistungen zu unterstützen, lobt Herr Dipl.-Ing. Atte Rieger einen Förderpreis für Studenten der Fachrichtung Bauingenieurwesen an der Georg-Simon-Ohm-Fachhochschule Nürnberg aus. Die Auslobung dieses Preises geschieht auch eingedenk der Tatsache, dass der Vater von Herrn Dipl.-Ing. Atte Rieger, Herr Regierungsbaumeister Karl Rieger, unmittelbar nach Kriegsende mit Wiederaufnahme des Studienbetriebs an der Vorläufereinrichtung der Fachhochschule Nürnberg als Dozent an diese berufen wurde und maßgeblich am Aufbau des Studienbetriebs mitgewirkt hat."
Damit das Bestehen des Büros gesichert ist, wurden in den letzten Jahren herausragende Mitarbeiter als Partner aufgenommen.
1997

Herr Dipl.-Ing. (FH) Thomas Herbert
Schwerpunkt Tragwerksplanung, Ingenieurholzbau
Verantwortlicher Sachverständiger für den vorbeugenden Brandschutz

1998

Herrn Dipl.-Ing. (FH) Kurt Wagner
Schwerpunkt Vermessung
Verantwortlicher Sachverständiger für Vermessung im Bauwesen

2003

Herr Dipl.-Ing. Dietrich Oehmke
Schwerpunkt Tragwerksplanung,
Planung von Brücken
Verantwortlicher Sachverständiger zur Energieeinsparverordnung

War es anfangs vor allem die Tragwerks- und Brückenplanung sowie die Verkehrs- und Stadtplanung, so wurde die Vermessung ausgehend vom Straßenbau auf alle im Bauwesen anfallenden Aufgaben hin erweitert.
Hinzu kamen die thermische Bauphysik, die Sicherheits- und Gesundheitsschutzkoordination und - zwischenzeitlich einer unserer Hauptpfeiler - der vorbeugende Brandschutz.

Spezialgebiete sind die Zustandsuntersuchungen von Brücken mit Ausarbeitung von Sanierungsvorschlägen und die Erstellung von Versagenswahrscheinlichkeitsberechnungen, die als Grundlage für die Beurteilung der Resttragfähigkeit und dem Zeitpunkt einer notwendigen Sperrung des Brückenbauwerks dienen sowie die Durchführung von Schwingungsberechnungen für Turbinenfundamente sowie Sachverständigengutachten in den Bereichen Massivbau, Baudynamik, thermische Bauphysik, vorbeugender Brandschutz und Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen.

Besondere Zulassungen der geschäftsführenden Gesellschafter:

  • Prüfingenieur für Baustatik
  • Prüfer für bautechnische Nachweise im Eisenbahn-, Massiv- und Verbundbau
  • Verantwortlicher Sachverständiger für Standsicherheit
  • Verantwortlicher Sachverständiger Vermessung im Bauwesen
  • Verantwortlicher Sachverständiger den vorbeugenden Brandschutz
  • Verantwortlicher Sachverständiger die Energieeinsparverordnung
  • Öffentl. best. und vereidigter Sachverständiger für Massivbau, Baudynamik und thermische Bauphysik
  • Sachverständiger für Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen

Zum 31. Oktober 2003 scheidet Herr Dipl.-Ing. Atte Rieger aus Altersgründen aus dem Ingenieurbüro aus.

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